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Erfolgreicher Event

„Spenden-Olympiade“ und 20- jähriges Jubiläum der Hamburger Logistiktage

17.07.2023
von Redaktion F+H

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Die 20. Veranstaltung der Hamburger Logistiktage (HLT) fand am 24./25. Mai im Beach Club Hamburg statt. Wie immer ein Event, der innovative Lösungen in der Logistik im Kontext mit Wirtschaftsentwicklung und Gesellschaftstrends positioniert und dabei den Menschen mit seinen Bedürfnissen und Potentialen in den Mittelpunkt rückt. Ein erfolgreiches Konzept, welches geschätzt wird und auch dieses Jahr bei den rund 300 Besuchern wieder großen Anklang fand.

Zum 20. Geburtstag des Kinderhospizes Sternenbrücke, das sich seit 2009 um lebensbegrenzt erkrankte Kinder und Jugendliche kümmert, haben sich die Veranstalter Jörg Hermsmeier und Dirk Lange etwas Besonderes in Form der „Team-Olympiade“ ausgedacht. Die am „Wettbewerb“ teilnehmenden Teams spendeten ihr Antrittsgeld zugunsten des Kinderhospizes. Den Olympioniken standen mit Britta Heidemann, Olympiasiegerin im Fechten und Thomas Helmer, ehemaliger Fußball-Nationalspieler und Europameister, kompetente Unterstützung während ihrer „Wettkämpfe“ zur Seite.
Sportlich locker legten die Veranstalter das 20-jährige Jubiläum der HLT in den Beach Club, um dort für zwei Tage mit Programm und Ausstellung den Themen rund um die Logistik eine Bühne zu geben. Exzellente Vorträge förderten die gute Stimmung der Teilnehmer und während der Pausen bzw. Abendveranstaltung standen Begegnungen und persönliche Gespräche im Vordergrund. Auch im 2. Jahr nach Corona konnte man die Freude spüren, dass sich Menschen real treffen und ganz analog austauschen. Die von Vanderlande gesponserte Abendveranstaltung mit karibischem Flair war wieder ein Highlight. Wie immer stand über allem die Verantwortung gegenüber dem Menschen in seiner Bedürftigkeit, und so wurde auch dieses Jahr wieder großzügig für das Hamburger Kinderhospiz Sternenbrücke gespendet.

Siegertypen-Olympioniken

Digitalisierung, Roboter, KI – ein breites Themenfeld
Den fachlichen Themenbogen eröffneten William Blake (Bruhn Spedition) und Matthias Schulte, (Lufthansa Industry Solutions) mit ihrem Referat:“ Auf dem Weg zum Digitalen Transport“. Sie gaben anhand eines Business Cases Einblick in die Arbeitswelt einer Spedition unter dem Motto: „We track goods not drivers“. Dabei stellten sie ihr Kooperationsprojekt Driver AppProject Approach vor. Die Referenten berichteten darüber, wie die Digitalisierung die manuelle Arbeit der Planer reduziert und wie Echtzeitdaten der Fahrer direkt in das Datenmanagementsystem integriert wurden. Die schnellere Berichterstellung und Rechnungsstellung und ein reduzierter Arbeitsaufwand im Backoffice sowie eine Schadensmeldung in Echtzeit rundeten den Prozess ab.
Vanderlande stellte mit dem Kommissionier-Roboter ein neues Familienmitglied zur Unterstützung des Service-Personals bei der Bestellabwicklung vor. Ein erfolgreicher Einsatz von Robotern, so die Referenten, ist u.a. abhängig von der Anlieferung der korrekten Produkte an die richtigen Kommissionierstationen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erhöht die Anzahl der vom Roboter entnehmbaren Artikel. Als Nebenbedingung stand die Optimierung der Verpackung im Fokus. Als Kooperationspartner von Vanderlande entwickelte RightHand Robotics für das Piece Picking eine spezielle Greifvorrichtung, bestehend aus einer Kombination von Saug- und Finger-Mechanismus. Die zu kommissionierenden Artikel entsprachen den Anforderungen an Gewicht (<2 kg), Größe (>1 cm bis <30cm) und Oberfläche der Verpackung, welche nicht porös sein sollte. Die überzeugenden Berechnungen mit dem Zielkriterium „Amortisation“ wurden anhand des Zweischichtbetriebs dargestellt. Danach betrug die Amortisationszeit einer Roboter-Kommissionierstation rund zwei Jahre, bei gleichzeitiger Einsparung der Betriebskosten von ca. 67%.
Zum Thema: „Technologie trifft auf Papier ­­- Herausforderungen bei der Digitalisierung von Mehrweg-Objekten referierte Dr. Philipp Wrycza vom Start-up Unternehmen Logistikbude aus Dortmund. Er führte u.a. aus, dass Mehrweg per se weder nachhaltig noch wirtschaftlich ist. Ein Problem der Mehrweg-Objekte in Europa liegt u.a. in deren Kapitalbindung von 220 Mrd. EUR (5 Mrd. Stück) begründet. Dazu müssen alle Unternehmen die Problemfelder des Mehrwegsystems, z.B. Personalaufwand (1,5% FTE=Managementaufgaben), Ineffizienz (40% Leergut) und Schwund (20% neue Mehrwegprodukte jährlich) individuell lösen. Ursächlich für die Kosten sind mehrfaches Anfassen von Daten & Insellösungen, fehlende Kennzahlen & manuelle Rückforderung und eine fehlende Dokumentation. Da das Mehrweg-Management keine Kernkompetenz in den Unternehmen darstellt und die Anwender sich nicht mit der Technologie beschäftigen wollen, ist eine Lösung von außen gefragt. Der Lösungsansatz der Logistikbude bedeutet ein sofort nutzbares IT-System unabhängig von Technologie, Mehrweg-Objekt und Unternehmensgröße.

Prozesse optimieren – Leistungsfähigkeit erhöhen
Anforderungen an die Intralogistik sollen 3 Aspekte beinhalten, nämlich Flexibilität, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit. Als Lösungsanbieter stellte sich hier die ferag vor, welche mit ihrem Produkt Skyfall ein Hängefördersystem anbietet, das die Schwerkraft sowie die dritte Dimension nutzt. Über ein einfaches Schienenprofil mit Rollkörpern werden unterschiedlichste Artikel bis zu 20 Kilogramm von A nach B gefördert. Dabei kommen zwei Carrier-Typen zum Einsatz. Typ M transportiert Einzelgüter bis 3kg. Typ L bis 10kg. Für Applikationen ab 10kg werden Trolley-Systeme eingesetzt. So lassen sich die Lastaufnahmeadapter der Gehänge an nahezu jede kundenspezifische Anforderung anpassen. Mit Leistungen von bis zu 10.500 Artikeln pro Stunde (Durchsatz pro Linie) gehört Skyfall zu den leistungsfähigsten Taschensortern auf dem Markt.
Langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit wurden im folgenden Beitrag dargestellt. Die nachhaltige Kooperation zwischen der Amor Group und LMS illustrierten Gunnar Schäfer, Amor und Dirk Lange, LMS. 2014 startete das erste Projekt, welches eine IST Analyse der Lagerbereiche am Standort Obersthausen beinhaltete. Die Amor GmbH aus Obertshausen zählt zu den führenden Schmuckanbietern in Europa. 1978 gegründet, arbeiten heute rund 1.300 Menschen für das Unternehmen. Amor hat sich den vergangenen zehn Jahren von einem deutschen zu einem weltweit operierenden Systemanbieter für den Handel entwickelt und dabei seinen Umsatz mehr als verdoppelt. Das Unternehmen managed weltweit die Schmuckflächen bei 3.000 Händlern in Eigenverantwortung. Durch die wachsende Internationalität und zunehmende Konzeptvielfalt stieß Amor mit der Logistikkapazität an seine Grenzen. Ein modernes Logistikzentrum mit 6.000 Quadratmetern nahm 2017 seinen Betrieb in Obertshausen auf. Nun konnten alle Marken und Abläufe wie das Hauptlager, der Wareneingang und die Retouren unter einem Dach gebündelt werden. Ferner wurde die selbst entwickelte Software gegen eine SAP-Standardsoftware abgelöst.
Wie digitale Prozesse die Transportlogistik verändern, erläuterten Babett Esche, FrachtGefährten und Oliver Zentgraf, FME Frachtmanagement Europa. Mit dem Modul “Frachtoptimierung” steht eine Softwareanwendung zur digitalen Transportplanung zur Verfügung, deren Algorithmen aus tausenden Optionen die optimale Tourenplanung und Frachtvergabe in wenigen Minuten ermittelt. Die Software kann individuell, durch Hinterlegen spezifischer Wünsche, wie Transport- und Ladungseigenschaften, agieren. Durch komplexe Berechnungen ergeben sich in verschiedenen Bereichen Einsparpotentiale von bis zu 20%.

Nachhaltigkeits-Herausforderungen
Nachhaltige Warentransporte auf der letzten Meile stellen ein Problemfeld dar, was Logistiker veranlasst, nach attraktiven Lösungen zu suchen bzw. diese zu entwickeln. Über einen Pilotversuch mit dem E-Cargo Bikes berichteten Patrick Rottensteiner von der österreichischen REWE-Tochter Billa und Christian Kühnhold von EcoCARRIER. Der Gütertransport auf der letzten Meile, so die Referenten, ist intransparent, nicht digitalisiert, oft unprofessionell und nicht nachhaltig. Nach deren Aussagen gibt es keinen Logistikdienstleister für die letzte Meile, welcher in der Lage ist, alle Arten von Gütern verschiedener Beteiligter effizient und nachhaltig zu befördern.  Typische Last-Mile-Probleme sind Kommunikationsprobleme, Verkehr, Parkplatzsituation, hoher Zeitaufwand und Lieferung außerhalb der Geschäftszeiten. Dazu kommen noch die staatlichen Beschränkungen, z.B. Verbotszonen, Umweltvorschriften, Lenk- und Ruhezeiten und Emissionsvorschriften (Dieselverbot, Umweltzonen). Für das Pilotprojekt stellte EcoCARRIER die E-Cargo-Bikes mit optimaler Nutzlast sowie verfügbarem Ladevolumen zur Verfügung. Nach Salzburg (2021) wurde 2023 Graz als Pilotregion gewählt. Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend. Das Ziel von EcoCARRIER ist es, die Nr. 1 der CO²-neutral betriebenen Lösungen für die letzte Meile zu werden.
Über die Zukunft der urbanen Logistik sprach Felix Schlereth von Renault Trucks Deutschland. Er skizzierte deren Entwicklung u.a. anhand sich rasch verändernder Lieferzeiten auf Wunsch der Kunden. Betrug die Lieferzeit im Jahr 2000 noch 3-5 Tage, so verkürzte sich diese gegenwärtig auf 1 Std. Erkauft wird sich diese Lieferschnelligkeit mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt durch einen enormen Anstieg der gefahrenen Straßenkilometer und der daraus resultierenden CO²-Belastung. Dass die Automobilhersteller im Fokus der Klimaschützer stehen, ist nicht weiter verwunderlich. Auch der Gesetzgeber hat mit einem fixierten Zeitplan reagiert, der einen Rückgang des CO²-Ausstoßes für Nutzfahrzeuge bis 2040 von 90% vorsieht.
Der Aussage des Polarforschers Robert Swan, dass die größte Bedrohung für unseren Planeten der Glaube Ist, dass jemand anderes ihn retten wird“, begegnet Renault Trucks Germany u.a. damit, dass sich das Unternehmen dem 1,5 Grad Celsius Szenario verpflichtet hat. Bei seinen direkten Emissionen aus eigener Produktion, welche 5% der CO²-Emissionen ausmachen, will das Unternehmen 2030 eine Reduktion von 50% gegenüber 2019 erreichen. Gleiches gilt für die Emissionen der eingekauften Produkte. Bei allen anderen indirekten Emissionen, inklusive der Emissionen von verkauften Produkten, die für 95% der CO²-Emissionen verantwortlich sind, verpflichtet sich Renault Trucks Germany 2030 eine CO²-Reduktion von 40% gegenüber 2019 zu erzielen. Für 2050 ist ein CO²-Ausstoß von Net Zero anvisiert. Unterstützt wird diese Vorhaben dadurch, dass bei Renault alles, was batterieelektrisch fahren kann, batterieelektrisch fahren wird.

Abhängigkeit der Lieferketten
Logistik in Zeiten von Chaos – Auswirkungen auf die weltweiten Lieferketten, so lautete der Referatstitel von Prof. Dr. Michael Schröder (Duale Hochschule BW). In seinem Beitrag skizzierte er drei massive Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die logistischen Ketten, jenseits des Krieges. Zur Komplexität gehört die Diskussion über die Konfiguration der Lieferketten unter Berücksichtigung der Lohnkosten im internationalen Vergleich. Da auch signifikante Unterschiede bei den Lohnstückkosten zu beobachten sind, ist der Weg zurück (von China) nahezu ausgeschlossen. Durch die neue Baureihe von Containerschiffen der Megamax-24-Klasse durch die Mediterranean Shipping Company (MSC) sind günstige(re) globale Transportkosten zu erwarten. Die Alternative Landverkehr – Trans-Eurasia-Express – ist durch das katastrophale Verhältnis der Kapazitäten von 1:230 äquivalent nicht gegeben. Der Suez-Kanal als Rennstrecke globaler Warenströme im Seehandel hat mit dem Stau im Jahr 2021, verursacht durch die Ever Given, für Verunsicherung gesorgt. Die alternativen Seerouten (Nord-Ost-, Nord-West Passagen) bieten sich nicht zwingend an, da sie mit negativen Auswirkungen auf die Kapitalbindungskosten korrelieren. Insofern kommt einer veränderten Sichtweise auf Lagerbestände eine zunehmende Bedeutung zu. Das klassische Materialportfolio mit der Klassifizierung der Produkte nach Versorgungsrisiko und Einkaufsvolumen beinhaltet eine Referenzempfehlung für den betrieblichen Einkauf. Die Einkaufsstrategie unter Berücksichtigung von Versorgungsrisiko und Ergebnisbeeinflussung zielt auf eine Vorratsbeschaffung zur Unabhängigkeit der der Beschaffung nachgelagerten Prozesse ab. Die Bestandssicherung durch Neujustierung der Bestellparameter steht ebenso in der Beobachtung, wie das Just in time Konzept mit dem Fokus auf die letzte Meile. Als Konsequenz gilt es, Logistikflächen als conditio sine qua non des erwarteten Bestandsaufbaus zu sichern.

Resümee
Die Jubiläumsveranstaltung hatte einen würdigen Rahmen, bei der man viel über erfolgreiche Firmen, interessante Projekte und innovative Technologien in der Logistik erfuhr. Die 21. HLT sollen am 28. und 29. Februar nächsten Jahres stattfinden. Die Planungen laufen bereits, eine interessante Location wird gesucht und rechtzeitig bekanntgegeben.

 

Text/Fotos:  Hans-Jürgen Upmeyer, GMP Europe

 

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