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Wie Roboter die Fehlerquote gegen null senken

Lebensmittelgroßhändler setzen auf Automatisierung im Tiefkühlbereich

17.11.2025
von Redaktion F+H

Wer heute seine logistischen Abläufe und Fehlerquoten in der Lebensmittellogistik optimieren will, kommt an automatisierten Prozessen nicht vorbei. Denn vor allem im Tiefkühlbereich ist der Fachkräftemangel groß und ist personalintensives Arbeiten anspruchsvoll sowie fehleranfällig. Rund 120 Lebensmittelgroßhändler nutzten die Gelegenheit, sich am Klinkhammer-Frischdienst-Tag in Nürnberg zu informieren, wie eine durchdachte Automatisierung umgesetzt werden kann – und welche Erfolge bereits erreicht wurden.

Während die Artikelvielfalt im Lebensmittelgroßhandel in nur sechs Jahren um 67 Prozent zunahm, fand im selben Zeitraum eine stille Revolution statt: Der Anteil der Händler, die künstliche Intelligenz (KI) unternehmensübergreifend einsetzen, vervierfachte sich innerhalb von nur vier Jahren von 13 auf mehr als 50 Prozent. Wie Prof. Dr.-Ing. Marc Rothländer von der Professur für Operations und Supply Chain Management an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin beim Klinkhammer-Frischdienst-Tag verdeutlichte, stehen diese beiden Entwicklungen in direktem Zusammenhang.

Die Gleichung des Professors ist dabei ebenso simpel wie herausfordernd: Mehr Artikelvielfalt und höhere Kundenerwartungen führen zu steigenden Logistikkosten – die sich wiederum nur durch die Einführung automatischer Systeme und die Standardisierung in den Griff bekommen lassen.

Jork: „Die Digitalisierung und Automatisierung der Intralogistik führte zu einer Humanisierung der Arbeit“

Praxis statt Theorie

Genau hier setzten die Praxisbeispiele der Veranstaltung an. Für Maximilian Jork, Geschäftsführer der Früchte Jork GmbH, Isny im Allgäu, war noch ein weiterer Aspekt ausschlaggebend, in den Neubau eines automatischen Tiefkühllagers und das Lagerverwaltungssystem Klinkware zu investieren: die Anlagentechnik und die Software schaffen die Voraussetzungen für die Humanisierung der Arbeit. Die Kommissionierung ist nun bei 0 statt bei –22 °C möglich – ein großer Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels.

Zudem eröffnet die Automatisierung neue Karrierepfade: „Hilfskräfte haben die Chance, sich zum Supervisor hochzuarbeiten“, berichtet Jork. Personal mit geringen Deutschkenntnissen, könne sich nun aufgrund klar definierter Aufgabengebiete weiterentwickeln. Darüber hinaus nannte Jork noch eine beeindruckende Zahl: Das 5-gassige automatische Tiefkühllager, ausgelegt für 2.500 Colli täglich, bewältigte an Pfingsten 5.000 Colli.

Automatisierung funktioniert auch langfristig

Den Beweis, dass Automatisierung auch langfristig funktioniert, lieferte Friedrich Walther, Geschäftsführer Frischdienst Walther, Kitzingen. Seit mehr als zehn Jahren setzt das Unternehmen auf digitalisierte und automatisierte Intralogistik – mit kontinuierlicher Weiterentwicklung. 2008 startete Walther mit einem Lagerverwaltungssystem, 2016 folgte ein zweigassiges automatisches Tiefkühllager, 2020 die Erweiterung auf vier Gassen mit 22.500 Tablarplätzen. Das Ergebnis: eine Kommissionierung mit nur einem Fehler pro 4.500 bis 5.000 Picks – und „glückliche Kunden“, wie Walther betont. Zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt liegt bei einer Fehlerquote von zwei bis drei Prozent, also 20 bis 30 Fehlern pro 1.000 Picks.

Walther: „Mein Philosophie lautet: Fehler nicht korrigieren, sondern von vorneherein vermeiden“

Die Philosophie von Walther lautet: „Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel. Fehler nicht korrigieren, sondern von vornherein vermeiden.“ Mithilfe systematischer Fehlerquellenanalyse und kontinuierlicher Verbesserungsprozesse erzielte das Unternehmen weitere positive Effekte wie Kosteneinsparungen und eine höhere Kundenzufriedenheit durch vermiedene Nachlieferungen und Reklamationen.

Die Erfolgsfaktoren solcher Projekte fasste Dr. Dirk Liekenbrock, Leiter Planung der Klinkhammer Intralogistics GmbH, Nürnberg, anhand weiterer Projektbeispiele zusammen. Sein Fazit: Eine system- und herstellerneutrale Logistikplanung im Vorfeld ist unerlässlich – nur so findet man die zur jeweiligen Situation passende Lösung. Diese Berichte aus der Praxis boten den Teilnehmern der Veranstaltung einen großen Mehrwert. Denn hier präsentierten die Referenten aus erster Hand Erfahrungen sowie Problemstellungen und -lösungen präsentiert.

Liekenbrock: „Eine system- und herstellerneutrale Logistikplanung im Vorfeld der Investitionsentscheidung ist elementar“

Technologie zum Anfassen und Netzwerken auf hohem Niveau

Darüber hinaus ermöglichten Live-Demonstrationen moderner Technologien den Besuchern einen unmittelbaren Einblick in die Intralogistik der Zukunft: Anhand von Exponaten informierten Exotec über Robotiklösungen sowie TGW und Movu über ihre Shuttle-Systeme. Hands-on-Erfahrung boten die ergonomischen Exoskelette von Hunic, die man vor Ort testen konnte. In direkten Gesprächen mit den Experten ließen sich individuelle Fragestellungen klären – ein Format, das die Teilnehmer intensiv nutzten.

Die Hallen des Silberhorn Classics boten dafür die perfekte Kulisse. Für Abwechslung nach den intensiven Fachgesprächen sorgte eine exklusive Führung durch die größte private BMW-Sammlung Deutschlands inklusive historischer Motorradraritäten – ein passender Rahmen für eine Veranstaltung, die Tradition und Innovation gleichermaßen würdigte.

Text/Fotos: Winfried Bauer / Klinkhammer – stock.adobe.com, Bearbeitung: VFV Layout

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