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Lagerreinigung: Innovationsmotor Ideen-Workshop

Lagerreinigung: Innovationsmotor Ideen-Workshop

Planungs-Events sichern “preiswerte” Sauberkeit

Die steigende Relevanz exzellenter Hygienestandards im Qualitätskonzept logistischer Dienstleistungen setzt die Hallenreinigung unter Druck: Umfang sowie Komplexität ihres Arbeitskontingents nehmen zu, die Kostenrisiken verschärfen sich. Grund genug, durch punktuelle Rationalisierungsmaßnahmen, mittelfristig angelegte Modernisierungsprogramme und kontinuierliche Produktivitätsverbesserung die Performance auf Top-Niveau zu verankern. Als Standardwerkzeug zur Initiierung zukunftsfähiger Innovationsprojekte haben sich abteilungsübergreifende Führungsworkshops etabliert.

Die durchstrukturierte, faktengestützte Diskussion zwischen Reinigungsdienst, Flächennnutzern und Qualitätsaufsicht macht komplexe Problemkonstellationen transparent und begünstigt hocheffiziente Lösungen. Andererseits implizieren solche Events erheblichen Einsatz von Personalstunden, und oft genügen schon geringe konzeptionelle Schwächen, um den Nutzeffekt zu torpedieren. Wie lautet nach heutigem Erfahrungsstand das Rezept für gelingende Workshops?
Erster Schritt zum Erfolg ist die Erstellung einer inhaltlichen Agenda: Sie charakterisiert prägnant das Thema und verknüpft es mit dem leitbildhaften Anspruch des Reinigungsdienstes, den definierten Sauberkeitsgrad termingerecht, kostenminimal und ohne Störung von Betriebsabläufen zu realisieren. Des Weiteren gilt es, durch ausgewogene Teambildung sicherzustellen, dass im gruppendynamischen Arbeitsprozess sowohl fortschrittliches Engineering-Know-how als auch alle relevanten Aspekte der Reinigungspraxis zur Geltung kommen. Last, not least sollte eine prozedurale Richtlinie als „Geschäftsordnung“ ausformuliert werden, die vor allem Moderationstechniken, Zeitraster und Präsentationsformen vorgibt.

Erfolgsfaktor Datenbasis
Um einen dynamischen Einstieg in die Fachdiskussion sicherzustellen, bereiten die Teilnehmer Positionspapiere vor, aus denen Kritikpunkte, Verbesserungsvorschläge, Handlungspräferenzen zur jeweiligen Thematik klar hervorgehen. Jedes Statement sollte penibel anhand des 5-W-Schemas (Wer, Wie, Wann, Wo, Warum) konkretisiert und durch Zahlen belegt werden. Während des Events müssen vor allem folgende Dokumentationen in planungsfreundlicher Aufbereitung verfügbar sein.

  • Flächenverzeichnis: Funktion, Grundmaße, Oberflächenmaterial, Überstellung, Schmutzeintrag, Hygiene-Ansprüche aller Areale
  • Reinigungsplan: Fixierung der Reinigungsmaßnahmen nach Terminen, Zeitintervallen, Sonderanlässen oder Verschmutzungsgraden
  • Prozessprofile: funktionelle Phasen des Work-Flow mit arbeitstechnischer Spezifizierung des Geräte- und Hilfsmitteleinsatzes
  • Kalkulationsnachweise: objekt-, maßnahmen-, ressourcenbezogene Standardkosten sowie aussagefähige Kosten/Leistungs-Ziffern
  • Spezifikationenwerk: anwendungs-, sicherheits- und umweltrelevante Eigenschaften von Equipment und Betriebsmaterialien

Auch bei guter Datenlage sollte man sich allerdings die problemspezifische Recherche im Reinigungsrevier nicht ersparen. Zudem empfiehlt sich die Teilnahme an überbetrieblichen Erfahrungskreisen: Die authentischen Befunde aus vergleichbaren Bedarfsszenarien liefern ein mit operativen Parametern und aufschlussreichen Fallhistorien verknüpftes Gesamtbild, das profunde Evaluierungen unterstützt.

Zu den grundlegenden Analyse- und Planungstools zählen die Prozesskostensätze, sodass je nach betrieblichen Gegebenheiten interne Verrechnungswerte wie „Scheuersaugen/100 m²“, „Betriebsstunde Nasszelle“, „Innenreinigung Transportbehälter“ etc. vorliegen. Ein nicht minder bedeutsames Zahlenwerk ist wegen der ausgeprägten Personalintensität des Reinigungsdienstes der zeitwirtschaftliche Nachweis des Arbeitseinsatzes, wobei die Positionen Warte-, Wege- und Beräumungszeiten kritisches Augenmerk verlangen. Alle Informationen sollten nicht nur durch Text und Kennzahl, sondern auch mit dokumentarischen Fotos und bildstatistischen Diagrammen dargeboten werden.

Kurs auf Spitzenleistung
Als Schlüsselinstrument ergiebiger Workshop-Arbeit gilt das mittels Fischgrät-Diagramm moderierte Brainstorming. Bei diesem Prozedere diskutiert man ein Problem (z.B. „Schmieremulsion in Fliesenfugen“) oder Ziel (z.B. „Reinigungszeit von Manipulationsarealen um 20% verkürzen“) anhand der „vier großen M“: Mensch (z.B. Sachkunde, Achtsamkeit), Methode (z.B. Turnus der laufenden Reinigung und periodischen Intensivmaßnahmen), Material (z.B. Reinigungsmittel, Verschleißzubehör) und Maschine (z.B. Spezifikationen von Scheuersaugautomaten). Dieses Raster erlaubt, Schwachstellen präzise zu erfassen sowie differenzierte Strategien zur Produktivitätssteigerung zu entwickeln.

Der Workshop-Leiter muss mit der vielschichtigen Kosten- und Leistungsproblematik technischer Infrastrukturdienste vertraut sein und die Moderationstechniken sicher beherrschen. Seine Aufgabe erschöpft sich keineswegs in einer Koordination der Diskussionsbeiträge, er soll darüber hinaus allgemeine Problemformulierungen analytisch präzisieren sowie Verbesserungsvorschläge in operationelle Zielsysteme umsetzen. Die Ergebnisse des Events fasst er im Abschlusspapier zusammen, das oft schon einem Modernisierungsplan nahekommt. Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Revision des Reinigungsplans (Inhalt und Turnus von Reinigungsmaßnahmen)
  • Neudefinition von Arbeitsprozessen (Ressourceneinsatz, Ablaufschemata)
  • Anpassungsqualifizierung (Inhalt, Form und Dauer notwendiger Instruktionen)
  • Re-Organisation (Steuer- und Kontrollprozeduren, Dienst- und Fachaufsicht)
  • Ersatz- und Neu-Investitionen (Maschinen, Anlagen, Spezialzubehör, IT-Systeme)
  • Zielszenario (Gesamtbild der projektierten Ressourcen- und Input/Output-Struktur)
  • Plankalkulation (pro Reinigungsmaßnahme, Objekt, Ressource, Leistungsempfänger)
  • Finanzbedarf (z.B. Investitionsausgabe, Leasinggebühr, Entgelte für Dienstleister)
  • Rationalisierungsgewinn (als Jahresbetrag, kalkulatorischer Zinsfuß, Kapitalwert)

Ergänzt wird das so konkretisierte Innovationsprogramm durch ein detailliertes Realisierungskonzept: Es schlüsselt den Handlungsbedarf in Form einer durchnummerierten Maßnahmenliste auf, benennt die Aufgabenträger und gibt ein Terminraster vor. So entsteht das Drehbuch einer Transformationsphase, in der neue Techniken, Arbeitsabläufe, Informationsprozesse und Organisationsformen ins Blickfeld rücken.

 

Text/Foto: Kärcher

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Veröffentlicht von

Manfred Weber

Die Intralogistik fasziniert mich, weil sie ein prozessorientiertes Denken und Handeln erfordert. Als leidenschaftlicher Redakteur und Ingenieur möchte ich gemeinsam mit Ihnen die innovativsten Lösungen und Konzepte erforschen und erörtern.

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