Mit einem Zusammenspiel aus künstlicher Intelligenz (KI) und dem Internet of Things (IoT) haben Fiege Air Cargo Logistics und die Deutsche Telekom das Luftfracht-Handling am Frankfurter Flughafen auf eine neue Stufe gehoben. Im Zentrum steht die Digitalisierung eines bislang manuellen Prozesses – der Konturprüfung von Luftfrachtpaletten. Das Ergebnis: mehr Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit.
Wer schon einmal versucht hat, verschieden große Kartons in einen Kofferraum zu stapeln, kennt das Problem: Am Ende bleibt oft ungenutzter Raum, oder es passt schlicht nicht alles hinein. In der Luftfracht ist diese Herausforderung noch komplexer. Hier müssen die Mitarbeiter von Fiege Air Cargo Logistics am Frankfurter Flughafen unterschiedliche Behälter und Kartons so auf Unit Load Devices (ULDs) platzieren, dass jede Palette exakt in den dafür vorgesehenen Abschnitt im Laderaum des Flugzeugs passt. Der Vorgang erinnert an das legendäre Computerspiel Tetris – nur dass es hier um Geschwindigkeit, Präzision und hohe Sicherheitsstandards geht.
Build-up-Prozess birgt Herausforderungen
Der Build-up-Prozess verlangt, dass jede Palette die exakten Konturen des Frachtraums einhält. Fehler in der Beladung können zu Verzögerungen, Mehrkosten, Vertragsstrafen oder im schlimmsten Fall zu Sicherheitsrisiken führen. Bislang fand die entscheidende Konturprüfung am Ende des Packvorgangs meistens manuell statt – mit geschultem Auge oder einer physischen Schablone. Ein aufwendiger Prozess, der viel Erfahrung verlangt und dennoch nicht vollkommen verlässlich ist.
KI hilft bei der 3D-Vermessung
Um diesen zentralen Prozess zu optimieren, hat Fiege gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine digitale Lösung entwickelt, die auf der AI-Vision-Plattform der Telekom basiert. Mehrere Lidar-Sensoren sind rund um den Packplatz in Deckenhöhe installiert. Diese Sensoren arbeiten mit Laserstrahlen und ermöglichen so eine präzise, berührungslose Vermessung der Paletten.
Mit diesen Daten kann die KI-gestützte Software die tatsächlichen Konturen der Palette exakt bestimmen. Auf einem Monitor oder Tablet wählen die Mitarbeiter die passende digitale Konturschablone aus und legen sie virtuell über das 3D-Bild der Palette. Die Software erkennt sofort, ob ein Karton übersteht oder die verfügbare Fläche nicht optimal genutzt ist. Kritische Fehler wie ein Überstand werden unmittelbar angezeigt und müssen direkt korrigiert werden, während eine suboptimale Flächennutzung als Optimierungsvorschlag dargestellt wird. Die manuelle Endvermessung entfällt – eine Erleichterung für die Mitarbeiter und zugleich ein großer Effizienzgewinn.
Vernetzung via IoT für mehr Effizienz
Die Lösung ist über ein IoT-Gateway mit der Cloud verbunden. Die erfassten Daten werden in Echtzeit über den LTE-Mobilfunk der Telekom an eine zentrale Datenbank gesendet und lassen sich sofort analysieren. Bei Bedarf kann ein Techniker aus der Ferne auf das System zugreifen und Störungen beheben, Kalibrierungen vornehmen oder neue Funktionen einspielen. Die zuverlässige LTE-Konnektivität und das globale IoT-Netz der Telekom machen das System flexibel und skalierbar. So lässt sich die Lösung schnell auf weitere internationale Standorte und Packplätze ausweiten.
Erhöhte Produktivität und mehr Nachhaltigkeit
Die Digitalisierung und Automatisierung des Build-up-Prozesses steigert Effizienz und Geschwindigkeit. Die präzise Vermessung der Paletten schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Fracht den vorgegebenen Konturen entspricht und sicher im Flugzeug verstaut werden kann. Die kontinuierliche digitale Dokumentation der Packprozesse eröffnet neue Möglichkeiten. Die Dokumentation erleichtert den Arbeitsalltag des Personals, verbessert die Qualitätssicherung und macht Optimierungsbedarfe gezielt erkennbar. Dadurch werden die Transportkapazitäten der Flugzeuge besser ausgenutzt und Leerraum wird minimiert. Das bedeutet weniger Flüge, geringere Emissionen und einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit in der Logistik.
Weitere Einsätze geplant
Mit rund 22.000 Mitarbeitern an 139 Standorten in 14 Ländern zählt die Fiege-Gruppe zu den großen Logistikdienstleistern Europas und ist seit vielen Jahren in der Kontraktlogistik aktiv. Nach dem Einsatz der gemeinsam mit der Deutschen Telekom entwickelten Lösung an einem ersten Packplatz plant der Logistikdienstleister, das System an weiteren Standorten und Flughäfen zu nutzen.
Perspektivisch sind auch zusätzliche Funktionen möglich, etwa eine kameragestützte Qualitätsprüfung der Paletten, um die Unversehrtheit der Ladungsträger automatisiert zu dokumentieren. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Integration von Technologien wie IoT und KI steht dabei im Fokus, um Prozesse in der Luftfracht schrittweise weiter zu automatisieren und an die Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Logistik anzupassen.
Text/Fotos: Deutsche Telekom und f+h







