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Personalien

Eine Ära geht zu Ende

02.04.2024
von Redaktion F+H

In den vergangenen Jahrzehnten hat Prof. Dr. Dr. h. c. Michael ten Hompel die Logistikbranche maßgeblich geprägt. Vom Internet der Dinge über die Shuttle-Technologie bis zu smarten Devices und Roboterschwärmen hat er die technologische Weiterentwicklung der Logistik vorangetrieben und mit seinen weitsichtigen Ideen auf ein neues Level gehoben. Es ist ihm gelungen, Wissenschaft und Praxis zu verzahnen und gleichzeitig die Logistikforschung aufs Tablett der deutschen Wirtschaft und Politik zu bringen. Sein interdisziplinärer Ansatz schuf einen Logistikstandort, der seinesgleichen sucht. Zum 31. März hat ten Hompel das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund verlassen und ist in den Ruhestand gegangen.

Mehr als 20 Jahre war ten Hompel geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML und Inhaber des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der Technischen Universität Dortmund. Zudem ist er seit 2022 Direktor des Lamarr-Instituts für Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz. In der Vergangenheit konnte er in besonderem Maße zur Weiterentwicklung und Innovationskraft des Wissenschafts- und Technologiestandorts Dortmund beitragen.
Ten Hompel gilt als einer der Erfinder der Shuttle-Technologie in der Intralogistik, wofür das Institut 2004 mit dem renommierten VDI-Innovationspreis für Logistik prämiert wurde und die in der Entwicklung neuer Generationen autonomer Fahrzeuge mündete (evoBOT, LoadRunner et al.). Zudem gilt er als einer der Väter des Internet der Dinge (IoT). Hier hat er die Vision von sich selbst steuernden und miteinander kommunizierenden „Dingen“ vorangetrieben und sukzessive um Bausteine zur Umsetzung erweitert. Dazu gehören auch smarte Devices und Social Machines, die in der von ten Hompel ausgerufenen „Social Networked Industry“ eine partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Menschen und künstlicher Intelligenz (KI) ermöglichen.
In der politischen Landschaft ist es ten Hompel gelungen, die Logistik als eigene Wissenschaftsdisziplin zu etablieren. Bereits im Jahr 2005 wurde er in den Hauptvorstand des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom) berufen, in dem er zuvor den Arbeitskreis Logistik mit initiierte. Seit dem Jahr 2012 ist er in verschiedenen Funktionen in der „Plattform Industrie 4.0“ in Berlin aktiv. 2019 wurde er in die Innovationskommission des Verkehrsministeriums (seinerzeit BMVI) berufen. Ein Highlight seines politischen Wirkens war zudem der Digital-Gipfel der Bundesregierung im Jahr 2019, als ten Hompel dem Bundeskabinett seine Vision von der „Silicon Economy“, einer offenen Plattformökonomie für Deutschland und Europa, präsentierte.

Initiator zahlreicher Großforschungsprojekte
Die Silicon Economy war auch eines von zahlreichen Großforschungsprojekten, die ten Hompel nach Dortmund holte. Es wird noch bis Ende dieses Jahres mit mehr als 20 Millionen Euro vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Das größte Projekt seiner Karriere war jedoch der zehn Jahre zuvor gestartete Spitzencluster „EffizienzCluster LogistikRuhr“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Mit mehr als 100 Millionen Euro gilt er bis heute als das größte Forschungsprojekt in der Logistik. Das Projekt mündete schließlich in der Logistik 4.0 und auch in der Entwicklung der Logistik als Technologiebranche. Zu dieser Zeit wurde ten Hompel auch zum ersten Vertreter der Logistikwissenschaften in der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech). Seine Aufnahme setzte ein weiteres wichtiges Zeichen für die Anerkennung der Logistikwissenschaft in Deutschland.
Weitere Großforschungsprojekte und Initiativen, an denen ten Hompel Anteil hatte, waren im Jahr 2007 die Gründung der Fraunhofer Academy, deren vorsitzender Direktor er bis 2017 war sowie die International Data Spaces (vormals Industrial Data Space), die er zusammen mit den Kollegen Boris Otto und Stefan Wrobel vor etwa zehn Jahren aus der Taufe hob. In dieser Zeit (2014 bis 2018) wurde ten Hompel zusätzlich in die Institutsleitung des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST berufen und sicherte die Selbstständigkeit des Instituts in Dortmund, das heute von Prof. Boris Otto geführt wird. In der Verbindung von Informatik und Logistik brachte ten Hompel 2021 auch als Vorsitzender des Kuratoriums die Open Logistics Foundation auf den Weg, eine Stiftung international tätiger Logistikunternehmen, die die gemeinschaftliche Entwicklung von Open-Source-Logistiksoftware und -hardware fördert.
Auf ten Hompel geht auch das Format der „Fraunhofer Enterprise Labs“ zurück. Es entstand im Jahr 2013 am Fraunhofer IML als neue Form der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschung und Entwicklung. Dabei verabreden Unternehmen und das Fraunhofer IML eine mindestens dreijährige Kooperation in agilen Teams und mit flexiblen Forschungsschwerpunkten. Für die gemischten Teams steht seit 2016 auch das von Prof. ten Hompel initiierte und neu gebaute Enterprise Lab Center am Fraunhofer IML zur Verfügung. Dort lassen sich auch Prototypen direkt vor Ort entwickeln und in Kleinserien fertigen. Seinen Ritterschlag feierte das Format mit dem Gewinn des renommierten Deutschen Logistik-Preises 2023, bei dem das Fraunhofer IML und sein Lab-Partner Dachser für eine im gemeinsamen Enterprise Lab entstandene Lösung ausgezeichnet wurden (@ILO).

Es wären noch etliche Projekte, Initiativen und Unternehmensgründungen im Umfeld des Fraunhofer IML zu nennen, die ten Hompel maßgeblich mit initiiert hat, darunter die Digital Hub Logistics GmbH Dortmund – 2019 zum besten digitalen Hub Europas gewählt – oder die 2024 mit dem Fraunhofer-Gründerpreis ausgezeichnete Logistikbude GmbH, jüngst gegründet von vier seiner Mitarbeiter.

Verdienste auch für das Ruhrgebiet
Ten Hompel konnte in seiner Zeit am Fraunhofer IML auch zahlreiche persönliche Auszeichnungen entgegennehmen. So ist er seit 2012 Mitglied der internationalen „Logistics Hall of Fame“. 2017 erhielt er die Ehrendoktorwürde der ungarischen Universität Miskolc und 2018 die goldene Ehrennadel der Bundevereinigung Logistik (Mitglied des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL) 2006 bis 2018). Darüber hinaus ist ten Hompel „Bürger des Ruhrgebiets 2018“, eine Auszeichnung für Persönlichkeiten, die sich durch ihr Wirken um das Ruhrgebiet verdient gemacht haben. Im Jahr 2020 erhielt ten Hompel zudem den Innovationspreis des Landes NRW in der Kategorie „Ehrenpreis“ für seine herausragenden Beiträge für Veränderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. 2023 hat der Bundespräsident ten Hompel für sein herausragendes Engagement im wissenschaftlichen Bereich mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Zuletzt erhielt er im Februar 2024 den Dortmunder Dialogpreis für seinen Beitrag zum Strukturwandel und der Innovationskraft der Stadt Dortmund.
Ten Hompel steht dem Fraunhofer IML weiterhin beratend zur Seite. Zum 1. April hat Prof. Dr.-Ing. Alice Kirchheim seine Nachfolge angetreten.

Text/Foto: Fraunhofer IML

 

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