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Wie Automatisierung Wettbewerbsfähigkeit sichert und Spielräume schafft

„Automatisierung ist in Europa eine strategische Notwendigkeit“

20.01.2026
von Redaktion F+H

Beim Linde Automation Summit 2025 in Aschaffenburg präsentierte Linde Material Handling seine Vision für die Zukunft der automatisierten Intralogistik. Im Gespräch mit f+h erläutert Torsten Rochelmeyer, Senior Director Strategy & Solution Portfolio, warum Automatisierung zur Wettbewerbsfähigkeit in Europa unverzichtbar geworden ist, wie sich die Einstiegshürden für KMU verändert haben und welche Rolle Linde MH als Systemintegrator in der mobilen Automatisierung einnehmen wird.

Herr Rochelmeyer, die Diskussion um Automatisierung in der Intralogistik begleitet die Branche seit vielen Jahren. Anfang der 2000er-Jahre fragten wir uns noch, wie viel Automatisierung die Intralogistik braucht und ob man durch Automatisierung Flexibilität verliert. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erkenntnisse, die Intralogistik-Verantwortliche heute über Automatisierung haben müssen?

Torsten Rochelmeyer: Das Thema Automatisierung beschäftigt uns tatsächlich schon seit vielen Jahren, aber der Kontext hat sich grundlegend gewandelt. Unstrittig ist mittlerweile: Automatisierung ist keine Modeerscheinung und auch kein reines Technologie-Thema mehr. Vor allem in Europa ist es eine strategische Notwendigkeit, wenn man wettbewerbsfähig bleiben möchte.

Der automatisierte Gegengewichtsstapler ist für Outdoor-Einsätze konzipiert und wird in mehreren Stufen entwickelt

 

Gilt diese Einschätzung auch für KMU, die oft Bedenken haben, dass Automatisierung schlicht zu teuer ist? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Torsten Rochelmeyer: Die Eintrittsbarriere, um in Automatisierung einzusteigen, ist gesunken. Mittlerweile sind Automatisierungslösungen signifikant günstiger als vor zehn oder 15 Jahren. Ein KMU kann beispielsweise für den Palettentransport vom Montageband zum Versand zunächst zwei oder drei automatisierte Flurförderzeuge in den Materialfluss integrieren. Bei Bedarf lässt sich die Fahrzeugflotte erweitern oder andere Aufgaben einbinden. Die schrittweise Automatisierung schafft die Voraussetzungen dafür, das Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren.

Sie erwähnten die gesunkenen Barrieren. Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Torsten Rochelmeyer: Automatisierungsprojekte sind immer auch Digitalisierungsprojekte. Zunächst muss man digitalisieren, und dann kann man automatisieren. Ohne Software funktioniert nichts. Aber auch in dem Bereich gab es große Fortschritte. Heutzutage kann das Personal eines FTS-Betreibers im Zweifelsfall eine zusätzliche Senke mithilfe der Flottenmanagement-Software eigenständig einbringen. In der Vergangenheit konnte diese Aufgabe in der Regel nur über den Gerätehersteller erledigt werden.

Während des Automation Summit haben Sie mit dem E-Matic einen automatisierten Gegengewichtsstapler präsentiert. Was war der strategische Impuls, diese Fahrzeugklasse zu automatisieren?

Torsten Rochelmeyer: Auch wenn es als unhöflich gilt, auf eine Frage mit einer Gegenfrage zu reagieren, sei sie hier erlaubt: Was meinen Sie, waren unsere ersten Automatisierungsprojekte?

 

Torsten Rochelmeyer: „Als erster großer Flurförderzeughersteller wollen wir einen automatisierten Gegengewichtsstapler in Serie produzieren“

 

Wenn man sich in eine neue Welt bewegt, dann sollte man mit den einfachsten Prozessen anfangen.

Torsten Rochelmeyer: Genau. So war es auch bei uns. In unseren allerersten Projekten kamen automatisierte Schlepper zum Einsatz. Im weiteren Verlauf haben wir uns in Sachen Geräteportfolio immer weiterentwickelt, die horizontale verlassen und die vertikale Transportebene erschlossen. Was wir bei all der Beschäftigung mit der Automatisierung außen vor gelassen haben, war das Thema Outdoor. Das hat mit den komplex zu handhabenden Faktoren im Outdoor-Bereich zu tun. Denken Sie nur an den Untergrund, auf dem die Fahrzeuge unterwegs sind oder die Witterungsbedingungen, denen die Geräte ausgesetzt sind. Aber wir wollen nicht am Hallentor aufhören, denn das Marktpotenzial für automatisierte Gegengewichtsstapler ist enorm. Mit automatisierten Gegengewichtsstaplern sind wir in der Lage, deutlich mehr Prozesse und Kundenmärkte zu adressieren, die wir mit unserem aktuellen Geräteportfolio noch nicht bedienen.

Wie wird sich die Rolle von Linde Material Handling in der automatisierten Intralogistik in den nächsten fünf Jahren verändern?

Torsten Rochelmeyer: Die DNA von Linde war der Gabelstapler mit Verbrennungsmotor. Wir mussten manchen erklären: Neben Gegengewichtsstaplern decken wir das volle Gerätespektrum im Flurförderzeugbereich ab – vom Schlepper über Niederhubwagen, Hochhubwagen, Schubmaststapler, Schmalgangstapler bis hin zu fahrerlosen Transportsystemen. Der nächste Schritt wird sein, das Know-how in der Systemintegration stärker in den Vordergrund zu stellen. Wir sind Systemintegrator, der Hardware unabhängig von deren Hersteller mit Software zusammenführt und dabei die Skalierung der Lösung im Blick hat.

Linde E-Matic automatisiert Outdoor-Transporte

Der für Outdoor-Einsätze konzipierte automatisierte Gegengewichtsstapler Linde E-Matic soll 2027 auf den Markt kommen. Ausgestattet mit einer Traglast von 2,3 Tonnen, Seitenschieber, Lithium-Ionen-Batterie sowie umfangreicher Navigations- sowie Sicherheitstechnik, übernimmt das robuste Flurförderzeug im ersten Entwicklungsschritt horizontale Transporte zwischen Ablagepunkten am Boden oder stationärer Fördertechnik. 2026 starten Vorserienprojekte bei ausgewählten Betreibern, deren Erfahrungen unmittelbar in die Weiterentwicklung und Serienreife einfließen. In weiteren Ausbaustufen soll das Flurförderzeug dann zusätzliche Aufgabenstellungen übernehmen – beispielsweise den Wechsel zwischen Innen- und Außenbereichen, das Überwinden größerer Steigungen, das Ein- und Auslagern im Regal oder Blocklager sowie das seitliche Be- und Entladen von Lkw.

 

Damit bewegen Sie sich in ein Segment, in dem etablierte Systemintegratoren wie Dematic, Vanderlande oder SSI Schäfer aktiv sind. Wie grenzen Sie sich ab?

Torsten Rochelmeyer: Wir fokussieren uns auf den Bereich mobile Automatisierung. Wenn die Rahmenbedingungen eines Projekts beispielsweise einen Sorter erforderlich machen, dann kommt

Warum ist Brownfield so bedeutsam?

Torsten Rochelmeyer: Man muss nur mal bei YouTube „Logistikzentren“ eingeben. Was wird da als Videos angeboten? Menschen, die gegen den Bau eines Logistikzentrums protestieren. Das ist der absolute Renner, solche Videos werden ganz hoch gerankt. Auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit ist es sinnvoll, Bestandsgebäude auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Genau deshalb liegt im Brownfield das deutlich größere Potenzial. Dabei wird für die Intralogistik-Systemanbieter noch sehr viel Geschäft möglich sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Torsten Rochelmeyer, Senior Director Strategy & Solution Portfolio bei Linde Material Handling, Aschaffenburg, führte Winfried Bauer, Chefredakteur f+h

Fotos: Linde MH

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