Das Verteilzentrum und Ersatzteillager eines Automobilherstellers in Wallersdorf nimmt in der Aftersales-Logistik einen hohen Stellenwert ein. Nach einem Betreiberwechsel ist das Unternehmen Kühne+Nagel für die Lagerbewirtschaftung zuständig. Den Herausforderungen dieser Aufgabe hat sich der global tätige Logistikexperte gemeinsam mit dem Linde-Vertragshändler Beutlhauser gestellt.
Das Unternehmen Beutlhauser aus Hagelstadt ist seit mehr als 50 Jahren unter anderem exklusiver Vertragshändler für Flurförderzeuge und Lagertechnik von Linde Material Handling. Für das Projekt „Lagerbewirtschaftung Ersatzteile“ in Wallersdorf schloss man sich mit dem Bremer Logistikdienstleister Kühne+Nagel zusammen, um ein tiefgreifendes Konzept für eine effiziente Lagerlogistik zu entwickeln und umzusetzen. Kern des Projekts war die Überführung und Inbetriebnahme einer Flurförderzeugflotte von mehr als 150 Geräten verschiedener Bauart.
Die Herausforderungen, denen sich die Projektpartner stellen mussten, waren nicht trivial. So war es zu Beginn des Projekts nicht möglich am Standort Wallersdorf vor Ort zu sein. Davon ließen sich Kühne+Nagel sowie Beutlhauser nicht abschrecken. Das Projekt wurde kurzum rein am Bildschirm geplant. Darüber hinaus musste bereits zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt ein fest vorgegebener Liefertermin bestätigt werden. „Die Fahrzeuge der Flotte wurden im Zeitraum von Februar bis Mitte April am Standort Wallersdorf angeliefert. Die Übergabe an den Betreiber musste dabei ‚Just-in-Sequence‘ vonstattengehen. Es galt also, die Flurförderzeuge nicht nur zur richtigen Zeit, sondern auch in einer exakt definierten Reihenfolge zu liefern. Bei einer Flotte mit mehr als 150 Einheiten und neun verschiedenen Fahrzeugtypen war das keine leichte Aufgabe“, erklärt Christian Feldmeier, Leiter Key Account bei Beutlhauser.
Kombination aus Neu- und Gebrauchtstaplern
Beutlhauser schlug Kühne+Nagel für die Bewirtschaftung der Lagerflächen ein „Mixed-Fleet-Konzept“ vor. Das bedeutet: Die Flotte setzt sich aus Neu- und Gebrauchtfahrzeugen zusammen. Alle gebrauchten Stapler wurden im hauseigenen Aufbereitungszentrum von Beutlhauser in Polen einer „Frischzellenkur“ unterzogen und sind nun von den Neugeräten kaum zu unterscheiden.
Das Verteilzentrum und Ersatzteillager ist ein zentraler Dreh- und Angelpunkt der Logistik des Automobilherstellers. Vor diesem Hintergrund hat der unterbrechungsfreie und sichere Warenfluss höchste Priorität. Folgerichtig werden Fahrzeuge benötigt, die exakt auf die Anforderungen vor Ort zugeschnitten sind. Das spiegelt die Fahrzeugpalette der Staplerflotte wider. Sie umfasst Elektrogegengewichtstapler vom Typ E20PH und E35HL, Schubmaststapler der Baureihe R16HD, diverse Elektroschlepper und Schmalgangstapler sowie Kommissionierer und Hochhubwagen. Dass ausschließlich Elektrostapler genutzt werden, ist Ausdruck einer nachhaltigen Philosophie von Seiten des Betreibers. „In Kombination mit effizienten Ladegeräten lässt sich Energie einsparen und CO2-Emissionen verringern“, verdeutlicht Feldmeier. Auch der Wunsch nach einem optimalen Überblick über die Flotte wurde erfüllt. Alle Flurförderzeuge sind mit der Flottenmanagementsoftware „Linde Connect“ ausgestattet.
Neu entwickeltes Konzept erhöht die Sicherheit
Der Großteil der Flurförderzeuge ist mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. In diesem Zusammenhang kam Kühne+Nagel mit einer Sonderanforderung auf Beutlhauser zu. Obwohl Lithium-Ionen-Batterien mehrfach abgesichert sind und sich bei den geringsten Unstimmigkeiten sofort abschalten, sollte eine zusätzliche Sicherheitsschranke eingebaut werden, um den Vorgaben vor Ort zu entsprechen. Gemeinsam mit dem Batterielieferanten AIM entwarf Beutlhauser ein Konzept zur Löschung der Batterien im Brandfall. Im Zentrum stehen mit dem „Flood-Connector“ und dem „Flood-Trolley“ zwei neu entwickelte Komponenten.
Wie das Löschkonzept genau funktioniert, erklärt Manfred Weigert aus dem AIM- Außendienst: „An der Batterie ist ein Löschanschluss, der Flood-Connector, verbaut. Im Falle einer Rauchentwicklung wird der Löschwagen, der Flood-Trolley, zum Fahrzeug geschoben und per Schlauch über eine Magnetkupplung am Löschanschluss des Staplers angeschlossen. Anschließend wird am Löschwagen eine Druckluftflasche geöffnet und der Löschwagen eingeschaltet. Dieser flutet die Batterie, bis sie überläuft. Somit stehen alle Batterie-Module unter Wasser und die Rauchentwicklung ist gestoppt. Aufgrund der integrierten Druckluftflasche ist der Löschwagen unabhängig von externen Energiequellen wie Elektrizität oder Treibstoff.“
Eine weitere nicht alltägliche Herausforderung für Beutlhauser: Der Betreiber aus der Automobilindustrie benötigt verschiedene Hardware-Ausstattungen wie Drucker, Scanner und Terminals, um Teile ein- und auszulagern. Diese mussten von den alten Fahrzeugen abgebaut und an den neuen Flurförderzeugen installiert werden. „Die komplette elektrische Versorgung für die Hardware wird von uns zur Verfügung gestellt. Die Umbauten fanden ab Mitte April statt – deshalb war die ‚Just-in-Sequence‘-Lieferung so wichtig. Die Fahrzeuge mussten ab Mai voll einsatzfähig sein“, so Feldmeier.
Text/Foto: Beutlhauser






