Im September fand der digitale „Zukunftskongress Logistik – 40. Dortmunder Gespräche“ statt. Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutierten über Innovationen und Herausforderungen für die Logistik von morgen.

Wie lässt sich die Logistik in Zukunft nachhaltig und im Sinne der Silicon Economy digital und offen gestalten? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Teilnehmer des gemeinsam vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und dem Digital Hub Logistics veranstalteten „Zukunftskongress Logistik – 40. Dortmunder Gespräche“. Die Veranstaltung unter dem Motto „Aufbruch ins Silicon Economy Continuum – Die Zukunft der Logistik ist digital, offen und nachhaltig“ fand in diesem Jahr noch einmal rein digital und kostenlos statt.
Prof. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML, erklärte in seinem Eröffnungsvortrag am ersten Kongresstag das digitale Kontinuum: „Die Digitalisierung und Vernetzung von allem und die Anwendung Künstlicher Intelligenz in allem findet statt. In der Silicon Economy schließen sich jetzt autonome Prozess- und Wertschöpfungsketten. Planung, Ausschreibung, Disposition und Operation werden auf KI-Plattformen verlinkt und es entstehen lernende, sich selbst verstärkende und beschleunigende Prozesse. Mit anderen Worten: das digitale Kontinuum. Dessen wertschöpfende und vernünftige Nutzung in Form innovativer Produkte und Geschäftsmodelle wird in dieser Dekade über die Gewinner und Verlierer entscheiden. Immer mehr Unternehmen sehen, dass sie dieser Aufgabe nicht allein gewachsen sind. Die Zeit der Alleingänge ist vorbei. Wir müssen erkennen, dass wir uns entweder in die Hände eines monolithischen Datensees begeben oder gemeinsam mit Initiativen wie der Open Logistics Foundation ein Linux für die Logistik schaffen. Klar ist: Wer heute sagt, er warte erst einmal ab oder schaut, was die Konkurrenz so macht, wird in den neuen Märkten keine Rolle spielen.“
Zudem sei das digitale Kontinuum auch der Inbegriff für eine neue, kontinuierliche und selbstlernende Form der Entwicklung innovativer Produkte und Geschäftsmodelle. „Simulation und Realität verbinden sich zu einem Kontinuum. Wenn wir heute LoadRunner-Schwärme oder Roboter wie unseren evoBOT und Odyn entwickeln, dann trainieren wir zunehmend deren Regeln und neuronalen Netze in der Simulation genauso wie in der Realität. Vereinfacht kann man sagen, wir haben eine Matrix für Roboter geschaffen: Die Künstlichen Intelligenzen dieser Maschinen merken nicht mehr, ob sie sich in der Simulation oder auf dem Hallenboden bewegen. Nur lernen Sie in der simulierten Welt vielleicht hundert- oder tausendfach schneller und sie lernen ohne Verschleiß und ohne viel Energie zu verbrauchen. Wer heute überlegene Systeme schaffen will, muss im digitalen Kontinuum Realität und Simulation in Echtzeit miteinander verbinden“, so ten Hompel.

Ein weites Themenfeld diskutiert
Nach einem Grußwort von Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV), gaben Jochen Thewes (Schenker AG) und Steffen Bersch (SSI Schäfer) in ihren Vorträgen Einblicke in ihre Perspektiven auf die Zukunft der Logistik.
In einer Podiumsdiskussion tauschten sich zudem Institutsleiter Prof. Michael Henke sowie Vertreter der Commerzbank AG, der Deon Digital AG und der Deutschen Bundesbank über blockchain-basierte Finanzflüsse und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Logistik aus. Mit nachhaltigen Konzepten für die Urbane Logistik beschäftigte sich unter dem Motto „Lebenswerte Städte und Regionen“ der darauffolgende Themenblock, durch den Institutsleiter Prof. Uwe Clausen führte.
Am zweiten und dritten Kongresstag fand das Fraunhofer-Symposium mit themenspezifischen Sequenzen rund um die Zukunft der Logistik statt. Expertinnen und Experten diskutierten dabei unter anderem über die Digitalisierung von Ladungsträgern, die datenbasierte Optimierung der Intralogistik, Leise Logistik in Städten und Häfen sowie die Möglichkeiten von Co-Creation mithilfe von digitalen Plattformen. Außerdem stellten Wissenschaftler des Fraunhofer IML an allen drei Kongresstagen in der „Digital Sandbox“ ihre aktuellen Entwicklungen direkt aus der Forschung vor.

Text/Foto: Fraunhofer IML

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