Die diesjährige Vergabe des Deutschen Logistik-Preises zeigt, wie Unternehmen mit nachhaltigen und digitalen Lösungen ihre Logistikprozesse optimieren. Die Projekte der Finalisten setzen Impulse für Effizienz, Ökologie und Einbindung der Mitarbeiter.
Im Rahmen der Supply Chain CX in Berlin hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) den Deutschen Logistik-Preis 2025 verliehen. Preisträger ist die Workwear-Marke Strauss mit ihrem Projekt „Logistics Next Level“. Nach einer umfassenden Analyse am Stammsitz in Biebergemünd entschied sich das Unternehmen gegen einen Neubau und für eine Revitalisierung des bestehenden Logistikzentrums. Die Modernisierung fand im laufenden Betrieb statt und wurde vollständig aus Eigenmitteln finanziert. Das Unternehmen investierte 55 Millionen Euro.
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung
Durch die Brownfield-Revitalisierung ließen sich 26.000 Tonnen CO2 gegenüber einem Neubau einsparen. Die Eigenversorgung mit Energie wird durch eine Photovoltaikanlage und Geothermie unterstützt. Die Verdoppelung der Versandleistung, eine um 80 Prozent reduzierte Fehlerrate und eine Verkürzung der Auftragsdurchlaufzeit von vier Stunden auf 40 Minuten gehören zu den zentralen Ergebnissen. Ein neuer Leitstand steuert täglich rund 45.000 Sendungen. Das Personal war von Anfang an eingebunden und konnte die Arbeitsbedingungen aktiv mitgestalten. Effizienzgewinne ermöglichten eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 37,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich.
Automatisierung und Digitalisierung
Die Modernisierung basiert auf Automatisierung und Digitalisierung. Neue Daten werden unmittelbar für Prognosen und die Kapazitätssteuerung genutzt. Die Jury lobte vor allem die Verbindung aus Bestandserhalt, Technologie, Ökologie und sozialer Verantwortung. Das Projekt gilt als Modell für zukunftsfähige Logistik in Zeiten steigender Anforderungen und begrenzter Flächen.
Finalisten mit zukunftsweisenden Ansätzen
Ebenfalls im Finale standen Siemens und Tchibo. Siemens transformierte das Logistics Center Erlangen mit vier KI-basierten Innovationen im laufenden Betrieb. Die Automatisierung reicht von der optimalen Kartongrößenprognose bis zu autonomen Robotern, die auch unbekannte Objekte picken. Mithilfe der neuen Pick-and-Pack-Linie ließ sich die Produktivität um bis zu 300 Prozent steigern.
Tchibo überzeugte mit dem Projekt „The Power within Retoure“ am Standort Cheb. Das automatisierte Retourensystem integriert Rückläufer in das Omnichannel-Netzwerk. 27 Prozent der Retouren fließen direkt in neue Pakete, während 55 Prozent nach nur 30 Minuten wieder im Webshop verfügbar sind. In Summe werden so 96 Prozent der retournierten Artikel – teils nach weiteren Aufbereitungsschritten – erneut angeboten.
Text/Foto: Winfried Bauer / BVL, Kay Herschelmann






