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Zukunftskongress Logistik – 43. Dortmunder Gespräche

Generative KI und Agentic AI verändern die Zukunft der Logistik

25.09.2025
von Redaktion F+H

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Kirchheim: „Es ist für uns alle die Zeit gekommen, die Potenziale der generativen KI gemeinsam zu heben“

Beim „Zukunftskongress Logistik – 43. Dortmunder Gespräche“ stand die Rolle künstlicher Intelligenz im Fokus. Wir konzentrieren uns im Rahmen der Nachberichterstattung auf Chancen und Risiken generativer KI und ihrer Weiterentwicklung zu Agentic AI. Deutlich wurde, dass KI es ermöglicht, komplexe Datenmengen beherrschbar zu machen und Abläufe zu vereinfachen. Voraussetzung bleibt die konsequente Digitalisierung. Für Unternehmen bietet sich die Gelegenheit, Effizienz zu steigern und zukunftsfähig zu bleiben.

Generative künstliche Intelligenz verändert die Logistik grundlegend. Prof. Alice Kirchheim, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) in Dortmund, betont vor mehr als 350 Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft das Potenzial, komplexe Datenmengen beherrschbar zu machen und Prozesse zu vereinfachen. Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der Führungskräfte Effizienzgewinne durch generative KI erwartet, während ein Drittel fürchtet, bei der Entwicklung zurückzufallen.

Am Beginn der fünften industriellen Revolution
Generative KI markiert nach Ansicht von Kirchheim die fünfte industrielle Revolution. Im Unterschied zu früheren industriellen Revolutionen trifft diese Transformation erstmals die „White Collar Worker“, also Mitarbeiter in Büros und Management. Nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch Managementaufgaben stehen vor einem Umbruch.
Nach der generativen KI folgt die nächste Stufe, die „Agentic AI“. Diese Systeme arbeiten im Hintergrund und übernehmen ganze Kommunikationsketten. Ein Beispiel: Terminabsprachen finden nicht mehr über Umfragen statt, sondern vollständig automatisiert.
Während US-Konzerne große Basismodelle entwickeln, liegt Europas Stärke in vertikalen Anwendungen. Am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) mit Hauptsitz in Sankt Augustin bei Bonn entstand beispielsweise ein mehrsprachiges Open-Source-Modell, das die Grundlage für Potenzialanalysen in mittelständischen Unternehmen bildet. Kirchheim betont: „Deutsche Unternehmen verfügen über wertvolle Industriedaten und tiefes Branchenwissen.“

Digitalisierung als Voraussetzung
Doch bevor KI eingesetzt werden kann, heißt es zunächst einmal, die Prozesse zu digitalisieren. Als Beispiel hierfür nennt Kirchheim den elektronischen Frachtbrief (eCMR), der das papierbasierte Dokument ersetzt. Geistiger Vater des elektronischen Frachtbriefs ist die Open Logistics Foundation, eine gemeinnützige Stiftung, die von Unternehmen wie Dachser, Rhenus, DB Schenker und duisport ins Leben gerufen wurde und aus dem Forschungsprojekt „Silicon Economy“ des Fraunhofer IML entstand. Ziel der Open-Source-Lösung ist es, Interoperabilität zu schaffen und Insellösungen abzubauen.
Neben Software erforscht das Fraunhofer IML humanoide Roboter und „Embodied AI“. Zum Thema humanoide Roboter in der Logistik hat das Institut eine Branchenbefragung initiiert. Wenn Sie an der Befragung teilnehmen möchten, können Sie dies über den angegebenen Link tun.

Daniel Jarr, Gründer der pyck GmbH, freut sich über den Gewinn des Digital Logistics Award 2025. Ebenfalls im Bild zu sehen sind: Andrea Peters (l.), startport GmbH; Jurymitglied beim Digital Logistics Award, und Maria Beck, Geschäftsführerin Digital Hub Management GmbH

pyck überzeugt mit Open-Source-WMS

Sechs Finalisten präsentierten im Rahmen des „Zukunftskongress Logistik – 43. Dortmunder Gespräche“ ihre Logistiklösungen in einem fünfminütigen Elevator-Pitch vor Fachpublikum und Expert-Jury. Anschließend bestimmten Jury und Teilnehmer der Veranstaltung gemeinsam die Gewinner. Die feierliche Preisverleihung fand im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund während der Abendveranstaltung der Wirtschaftsförderung Dortmund und der TU Dortmund statt.

Mit einem Open-Source-Framework für Lagerverwaltungssysteme (LVS) setzte sich die pyck GmbH, Schwäbisch Hall, klar durch. Das System bietet Unternehmen Kontrolle, Flexibilität sowie eine globale Entwickler-Community und eine öffentliche API. Die Software ist sicher, kosteneffizient, leicht anpassbar und unabhängig von Herstellern. Gründer Daniel Jarr überzeugte mit seiner Idee sowohl Jury als auch Publikum. Der erste Platz ist mit 9.000 Euro sowie Zugang zum internationalen Netzwerk der Digital Innovation Hubs (DIH) dotiert.

Weitere Gewinner:

2. Platz: K2 Mobility GmbH (Potsdam) – mit einer Lösung für integrierte und dynamische Ladevorgänge von E-Lkw und E-Bussen. Dotierung: 4.500 Euro.

3. Platz: Ease – Ergonomische Assistenzsysteme GmbH (München) – mit flexiblen und intuitiven Exoskeletten, die Bewegungsfreiheit und hohe Akzeptanz bei Anwendern ermöglichen. Dotierung: 1.500 Euro.

Der Digital Logistics Award, organisiert vom Digital Hub Logistics Dortmund, gehört mit einem Preisgeld von insgesamt 15.000 Euro zu den höchst dotierten Auszeichnungen für Logistik-Start-ups in Europa. Der Preis wurde bereits zum achten Mal vergeben. Die Preisgelder werden vom Duisburger Hafen AG/startport GmbH sowie der Bito Campus GmbH, Dortmunder Hafen AG und audalis Kohler Punge & Partner mbB bereitgestellt.

Vision: Logistik für ein posthumanes Zeitalter
Kirchheim wagt einen radikalen Blick in die Zukunft: Wenn KI-Agenten Prozesse eigenständig gestalten und humanoide Roboter alle körperlichen Tätigkeiten übernehmen, ergeben sich neue Perspektiven für die Planung von Intralogistiksystemen. Diese Vision bezeichnete Prof. Michael ten Hompel, der ehemalige Leiter des Fraunhofer IML, als „Logistik für ein posthumanes Zeitalter“.
„Wir erforschen Intralogistiksysteme, die Dienstleistungen für Menschen erbringen“, erklärt Kirchheim. Dabei grenzt sie die Forschungstätigkeiten eindeutig vom Transhumanismus ab. Im Fokus steht die Optimierung technischer Systeme – nicht jedoch die Veränderung des Menschen selbst.
Doch eines bleibt festzuhalten: Trotz aller Zukunftsvisionen sind praktische Lösungen für die momentan vorhandenen Herausforderungen gefragt. Diesbezüglich sieht sich das Fraunhofer IML in der Verantwortung, den Technologietransfer voranzutreiben und auch kleine und mittelständische Unternehmen dabei zu unterstützen, nicht den Anschluss zu verlieren.

Praktische Lösung für den Mittelstand
Ein konkretes Beispiel für dieses Ansinnen ist die am Institut entwickelte KI-Plattform „Omnistics“. Die Lösung ist als AI-as-a-Service konzipiert und richtet sich an Speditions- und Logistikunternehmen. Das Hauptziel ist es, diesen Unternehmen einen Zugang zu KI ohne aufwändige IT-Infrastruktur zu ermöglichen.

Text/Fotos: Winfried Bauer / Fraunhofer IML, Thomas Willemsen

 

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