Der Anlagenbauer SMS Group, Düsseldorf, hat mit dem Konzept Boxbay den Deutscher Logistik-Preis 2022 gewonnen. Ausschlaggebend hierfür waren die vielfältigen Potenziale, die sich mithilfe der Lösung in einem Containerterminal heben lassen.

Die Lagerkapazität eines Containerterminals auf gleicher Fläche verdreifachen und das Umstapeln komplett vermeiden. Das sind zwei Vorgaben, die bei der Entwicklung des Konzepts Boxbay im Fokus standen. Die Lösung kommt in einer Zeit, in der aufgrund immer größerer Schiffe bei einem Hafenstop auch immer mehr Container gelöscht, zwischengelagert und wieder geladen werden müssen. Gleichzeitig hat sich die durchschnittliche Verweilzeit eines Containers auf den Terminals auch aufgrund der bekannten Lieferkettenprobleme kontinuierlich gesteigert. Damit Lieferketten robuster werden können, benötigen die Terminals eine größere Pufferkapazität, die auf den begrenzten Flächen mit herkömmlichen Prozessen meist nicht geschaffen werden kann.

Große Veränderungen der Prozesse möglich
Das Boxbay-Hochregallagersystem wurde ursprünglich von SMS für das Handling von Metall-Coils entwickelt, die bis zu 40 Tonnen schwer sein können. Diese in der Metallindustrie erprobte Technologie wurde von SMS für die Hafenlogistik weiterentwickelt.
Das wie ein Hochregallager funktionierende Konzept für Container aller Standardmaße ändert die Prozesse auf den Terminals radikal: Zum einen lassen sich statt höchstens sechs bis zu elf Container übereinander lagern. Vor allem aber liegen diese separat und nicht direkt aufeinander, sodass Umstapelungen komplett entfallen können. Die Container lassen sich an mehreren Seiten ein- und auslagern. Ein umlaufendes Transportsystem verbindet die Gassen untereinander.

Erste Anlage in Dubai
Im Januar 2021 ging als Proof of Concept der Partner SMS Group und DP World eine erste Anlage im Hafen von Dubai in Betrieb. Bei einem vollständigen Ausbau der 230 m langen, 26 m breiten und 50 m hohen Pilotanlage lassen sich wasserseitig 500 Ein- und Auslagerungen pro Stunde sowie landseitig 300 Ein- und Auslagerungen pro Stunde realisieren. Die kaiseitige Umschlagtechnologie mit den vorhandenen Containerbrücken lässt sich wie bisher weiternutzen. Die Container werden anschließend von den im Terminal eingesetzten Transportsystemen übernommen und bis zur Aufnahmeposition des Lagers transportiert. Dort übernehmen Regalbediengeräte die Container und transportieren sie über Gassen zu den Stellplätzen. Unter dem Lager befindet sich ein umlaufendes schienengebundenes Transportsystem, das die Container zur landseitigen Lkw- oder Bahnübergabestation bringt oder sie abholt.
Das Dach der Anlage lässt sich optional mit einer Photovoltaik-Anlage ausrüsten, die den Strom für den Betrieb der Anlage produziert oder einen Energieüberschuss erwirtschaftet. Ebenso können vertikale Gärten an der Außenverkleidung die Luft reinigen und die Umgebungstemperatur senken. Durch die Kapazitätserweiterung ohne zusätzliche Flächen lassen sich zusätzliche Landerschließungen und größere Eingriffe in Natur und Öko-System vermeiden.
Das Boxbay-Konzept überzeugte die Jury. Dr. Ursula Weidenfeld, Jury-Vorsitzende, hob in ihrer Laudatio hervor, dass das Projekt neben der Innovation auch den neueren Kriterien für den Deutschen Logistik-Preis wie gesellschaftliche Relevanz und Verbesserung der Resilienz entspricht. „Beim Boxbay-Projekt ist es am offensichtlichsten: Wir sehen eine Verdichtung von Containerflächen auf ein Drittel, Geräusch- und Lichtschutz, Stromerzeugung über den eigenen Bedarf hinaus, die Einbindung existierender Hafenumschlagstechnologien und den wahlfreien Zugriff auf jeden Container. Obwohl Boxbay in Dubai noch eine Testanlage ist, erfüllt der Anlagenkomplex alle Kriterien und Ziele des Deutschen Logistik-Preises.“
Der Deutsche Logistik-Preis wird alljährlich auf dem Deutschen Logistik-Kongress in Berlin, Veranstalter ist die Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., verliehen. Der Preis besteht aus einer Urkunde und der exklusiv für den Preisträger geschaffenen Plastik „Das Gespräch“ des Worpsweder Künstlers Waldemar Otto.

Text/Fotos: BVL

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