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Neue Geschäftsmodelle für den Handel von Chemikalien

Neue Geschäftsmodelle für den Handel von Chemikalien

Pfiffige Sensorhersteller haben das Potenzial der neuen 0G-Netze (Null-G) erkannt und berührungslose IBC-Sensoren mit entsprechender Netzanbindung versehen. Über Cloud-Apps und die Integration in ERP-Lösungen wie SAP Business One sind sie nun zur Umsetzung neuer Geschäftsmodelle erhältlich, die den Chemiehandel deutlich durchrütteln können.

Disruptiv ist der Begriff, der hierfür derzeit gerne in den Mund genommen wird. Ob die Digitalisierung von IBCs dieses Potenzial hat, die Welt der Chemielogistik umzukrempeln, wird zu beweisen sein. In jedem der etwa 160 Chemie-Groß- und Außenhandelsunternehmen in Deutschland  wird das Thema aber sicherlich ausgiebig zu diskutieren sein. Dies vor allem dann, wenn sich 0G-basierte Geschäftsideen aus der Automobilbranche auch hier umsetzen lassen. Dann wird sich nämlich die Art und Weise, wie flüssige und rieselfähige Stoffe gehandelt und geliefert werden, deutlich verändern.

Automatische Abrechnung von Lieferungen
Es wird derzeit daran gearbeitet, dass der Warenverkehr zwischen den Zulieferern und Automobilbauern vollständig digitalisiert wird. Hierzu werden die Lieferungen über Geofencing erfasst und dann automatisch abgerechnet. Die physikalische Warenannahme beziehungsweise das Erfassen an spezifischen Gates, die man installieren, betreiben und warten muss, kann damit entfallen. Die Ladungsträger werden zudem konstant überwacht, um sicherzustellen, dass zum einen die JIT-Lieferketten funktionieren, und zum anderen auch die Bestände dieses teuren Transport-Equipments nicht ständig schrumpfen, was auch bei IBCs der Fall sein dürfte.

Die Blockchains werden günstiger
Dies alles wird man über Blockchains umsetzen, deren Preise heute purzeln, wie man am Beispiel des Versicherers La Parisenne Assurance sehen kann: Das Unternehmen nutzt das Sigfox-0G-Netz zur Übertragung von Fahrzeugdaten an Blockchains, um neue, parameterbasierte Versicherungspakete zu schnüren, die eine Kasko-Versicherung im Pay-per-Use Verfahren ermöglicht. Solche parameterbasierten Geschäftsmodelle, die die Nutzung von Fahrzeugen im Minutentakt abrechnen können und entsprechende Mikro-Payments auslösen, sind im Vormarsch, weil sich viele Kunden weg vom Besitzen hin zum Nutzen orientieren. Selbst Maschinen- und Anlagenbauer gehen diesen Weg, damit Kunden ihre Kosten von hohen Investitionskosten hin zu reinen Betriebskosten verschieben können.

IBCs sollen weltweit smart werden
Würden lediglich 20 Prozent der mehr als 30.000 unterschiedlichen Produkte der Chemieindustrie, die weltweit bei Herstellern, Händlern und Endkunden in IBC abgefüllt, gelagert und verbraucht werden, an das Internet der Dinge angeschlossen werden, dann ist schnell zu erkennen, wie groß das Potenzial einer großen Veränderung ist: Der weltweite Markt der IBCs ist 2018 ca. 19 Milliarden groß und soll die nächsten zehn Jahre weiter mit einer CAGR von 6 Prozent wachsen. Läge der Durchschnittspreis von IBCs bei rd. 250 Euro, würde der Absatz von IBCS derzeit etwa vier Millionen IBCs betragen und jedes Jahr würden es mehr. Knapp eine Viertelmillion macht das Wachstum im ersten Folgejahr aus.

Möglich machen, was bislang nicht ging
Bislang war die flächendeckende und standortübergreifende Digitalisierung von IBCs jedoch nicht möglich. Dies, weil es über 3G/4G/5G-Mobilfunknetze zu teuer und nicht global möglich war. Vor allem aber auch, weil es zu energiehungrig war, weshalb autonome Sensoren nur wenige Wochen oder Monate, nicht aber über Jahre hinweg ohne Batteriewechsel und damit hohe Wartungskosten auskommen konnten. Gleiches gilt auch für lokale Lösungen wie WLAN. Dies ändert sich mit der Verfügbarkeit des Sigfox 0G-Netzes, das überall verfügbar wird und in Deutschland bereits 85 Prozent Netzabdeckung erreicht hat (Stand September 2019). Es wurde speziell dafür entwickelt, Dinge anzubinden, die man bislang aus den eben genannten Gründen nicht anbinden konnte. Beim Sigfox-0G-Netz sprechen die Hersteller je nach Stromverbrauch des Sensors von 2, 5 oder gar 7 Jahren Batterielebensdauer. Teils sogar auch von Jahrzehnten. Ein solches Setup passt ideal zum gesamten Lebenszyklus eines IBCs der in der Regel zwischen 7 und 10 Jahren liegt, teils aber sogar über 20 Jahre in Gebrauch sind.

Eine Netzanbindung, die ein Leben lang hält
Die Lebensdauer eines IBCs ist zwar stark abhängig von seiner Verwendung und der Fähigkeit des IBC, regelmäßige Inspektionen zu bestehen, in denen Gefahrgut-IBCs für den weiteren Gebrauch freigeben werden, um den unterschiedlichen Richtlinien wie ADR, RID, SOLAS oder US-DOT zu entsprechen. In der Regel werden Polykäfigbehälter aber beispielsweise rund sieben Jahre eingesetzt. Starre HDPE-IBCs zumeist rd. zehn Jahre und IBC-Tanks aus Kohlenstoff und Edelstahl haben eine über 20-jährige Lebensdauer. Stressbedingungen wie Hitze, hohe Korrosivität / Kaustik, halbverträgliche Materialien, anhaltender Druck, extreme Witterungseinflüsse können jedoch zur Beschleunigung der Lebensdauer eines IBC beitragen. Deshalb werden IBCs regelmäßig überprüft. Zur Erlangung der UN/DOT-Versandetiketten müssen IBC-Container beispielsweise alle 2,5 Jahre überprüft werden. Mindestens eine solch lange Lebensdauer des Sensors sollte aus organisatorischen Gründen also im Idealfall erreicht werden. Und genau das ist mit dem neuen Funknetz für die Dinge problemlos möglich. Sogar das Management solcher Prüfzyklen könnte man damit also digitalisieren. IBCs könnten sich nämlich selbständig melden, wenn die Erneuerung ihrer Plaketten anstünde. Über Blockchains abgesichert, könnte rein theoretisch sogar das Prüfetikett im Device digitalisiert werden. Dies ist aber nur ein potenzieller Benefit der Digitalisierung. Viele weitere werden sich Chemiehändler und Hersteller sicherlich vorstellen können.

Lieferbereitschaft rauf, Bestände runter
Beispielsweise die Verbesserung der Lieferbereitschaft und Kundenversorgung. Für sie ist eine möglichst genaue Disposition der Chemikalien wichtig, um höchste Lieferbereitschaftsgrade bei geringsten Beständen zu realisieren, wie es die Supply Chain Experten von Abels & Kemmner fordern. Eine solche Disposition und vor allem auch Lieferlogistik kann durch Echtzeit-Informationen über den Verbrauch weiter optimiert werden. Auch kann man über Vendor Managed Inventory Strategien nachdenken, die es Händlern ermöglichen, den Bestand beim Kunden selbst zu organisieren und auf diese Weise viele administrative Aufgaben beim Kunden zu verschlanken. Zu den Vorteilen zählen zudem auch die schnelle Reaktion auf Bedarfsschwankungen, ein höherer Servicegrad, die Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen und die größere Freiheit beim Disponieren der Lieferungen, sodass sich auch die Transporte optimieren lassen. Betreiber wiederum profitieren auch von kostengünstigeren Losgrößen und geringen Lagerbeständen vor Ort. Letztlich lässt sich damit auch die Nachfrage genauer vorhersagen. Vendor Managed Inventory Strategien bieten also zahlreiche Vorteile.

Erste Händler profitieren bereits von der 0G-Anbindung ihrer IBCs
Die Digitalisierung mittels Sigfox-0G-Netzanbindung umgesetzt hat beispielsweise bereits die Firma Donauchem s.r.o. mit der innovativen Fernüberwachungslösung für IBCs von Nanolike inklusive Integration in ERP-Systeme wie SAP Business One, die über Versino umgesetzt wurde, sodass Donauchem s.r.o. heute eine stabile und solide Plattform für die digitale Geschäftsentwicklung nutzen kann. Sie überwacht den Standort von IBC-Containern sowie deren Füllstand und Temperatur in Echtzeit. Diese Informationen werden über das 0G-Netzwerk von Sigfox an eine spezielle Anwendung übertragen, die die Messdaten auswertet. So können IBC-Container, die in Kürze nachgefüllt oder ausgetauscht werden sollten, leicht identifiziert und das Transportmanagement optimiert werden.

Smarte 0G-Sensoren ermöglichen neue Service- oder Geschäftsmodelle für Waren, die in IBCs gelagert und transportiert werden. Sie gibt es bei Bedarf bereits inklusive der entsprechenden Geschäftsprozess- und IT-Integration in Systeme wie SAP Business One

Business-Prozess-Integration ist bereits applikationsfertig verfügbar
Ausgewählte Daten über den Status der IBC-Container werden automatisch an das Unternehmensinformationssystem übermittelt, wo Kundenaufträge zur Auffüllung oder zum Austausch von IBC-Containern automatisch erfolgen. Es ist ebenfalls möglich, die Historie einzelner IBC-Container mit Blick auf deren Standort-, Temperatur- und Füllstandverlauf zu überwachen. So hat das Unternehmen Donauchem s.r.o. eine innovative Lösung erhalten, die das Auftrags- und Liefermanagement effizienter macht, vor allem für Kunden, die eine ständige 24/7/365-Verfügbarkeit der gelieferten Produkte wünschen oder ihre IBC-Container an entfernten Orten positionieren, wo Mitarbeiter nicht ständig anwesend sind.
Hersteller, Händler und industrielle Endanwender können übrigens ein applikationsfertiges IBC-Testkit bei Sigfox Germany anfordern. Es besteht aus einem Retrofit-Sensor und einem dreimonatigen Cloudplattform-Zugang, der die Evaluierung neuer IBC-Geschäftsmodelle und ihres erfolgreichen Produktiveinsatzes ermöglicht.

Autor: Stefan Huber, Director Sales Key Accounts, Sigfox Germany
Fotos: Sigfox

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Veröffentlicht von

Manfred Weber

Die Intralogistik fasziniert mich, weil sie ein prozessorientiertes Denken und Handeln erfordert. Als leidenschaftlicher Redakteur und Ingenieur möchte ich gemeinsam mit Ihnen die innovativsten Lösungen und Konzepte erforschen und erörtern.

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