Bitkom-Studie zu KI und Logistik

Logistiker planen höhere Digitalinvestitionen

14.09.2026
von Redaktion F+H

Hohe Energiepreise, gestörte Lieferketten und fehlende Fachkräfte treiben die Digitalisierung der Logistik voran. Eine Bitkom-Studie zeigt, dass bereits 51 Prozent der Unternehmen KI einsetzen, fehlendes Know-how den Wandel jedoch bremst.

Niedrigwasser am Rhein und die Blockade der Straße von Hormus haben Transporte verteuert, Lieferungen verzögert und Unternehmen zu Umplanungen gezwungen. Vor diesem Hintergrund bewerten 91 Prozent der Logistikunternehmen die Digitalisierung als Chance. Das zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter 502 deutschen Logistikunternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten. Die Studie wurde anlässlich der IAA Transportation vorgestellt, die vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover stattfindet.

Hohe Energiepreise belasten alle befragten Unternehmen. 87 Prozent nennen den Fachkräftemangel und 71 Prozent Unterbrechungen der Lieferketten als große Herausforderungen. Hinzu kommen Bürokratie mit 59 Prozent sowie geopolitische Krisen und internationale Konflikte mit 54 Prozent. Bitkom-Vizepräsidentin Dr. Tanja Rückert erklärte, die Digitalisierung helfe dabei, Engpässe früher zu erkennen, Warenströme flexibel zu steuern, Beschäftigte zu entlasten und Kapazitäten effizienter zu nutzen.

Digitale Anwendungen verbessern Abläufe

Die Digitalisierung von Prozessen und Lieferketten ist für 42 Prozent der Unternehmen eine große Herausforderung. Im Jahr 2022 lag dieser Anteil noch bei 52 Prozent. Als Vorteile digitaler Anwendungen nennen 66 Prozent eine höhere Transparenz der Lieferketten und 64 Prozent einen besseren Kundenservice. 60 Prozent erwarten eine geringere Umweltbelastung, 58 Prozent Zeitersparnis und 57 Prozent eine einfachere Kommunikation.

Eine höhere Arbeitsplatzattraktivität sehen 56 Prozent als Vorteil. Jeweils 55 Prozent erwarten bessere Entscheidungsgrundlagen sowie weniger Fehler und Ausfälle. Geringere Kosten, einen niedrigeren Arbeitskräftebedarf oder einen geringeren Bedarf an Lagerfläche nennen jeweils 49 Prozent. Jedes befragte Unternehmen sieht mindestens einen Vorteil digitaler Anwendungen.

Fehlendes Know-how bremst den Wandel

Den eigenen Digitalisierungsstand bewerten viele Logistikunternehmen positiv. 49 Prozent sehen sich als Vorreiter, weitere 7 Prozent an der Spitze. Die Position der deutschen Logistik im internationalen Vergleich schätzen die Befragten zurückhaltender ein. 18 Prozent ordnen sie der Spitzengruppe zu, 51 Prozent dem Mittelfeld. 25 Prozent sehen Deutschland unter den Nachzüglern und 4 Prozent abgeschlagen.

Als größtes Digitalisierungshindernis nennen 73 Prozent fehlende Fachkräfte beziehungsweise fehlendes Know-how. Sorgen um die IT- und Datensicherheit folgen mit 58 Prozent, fehlende Zeit im Tagesgeschäft mit 57 Prozent. Zudem fehlen aus Sicht der Unternehmen marktfähige Lösungen, qualifizierte externe Beratung und verfügbare Daten. Fehlende finanzielle Mittel nennen 48 Prozent.

Personalbedarf verschiebt sich

Der Fachkräftemangel betrifft nahezu alle Bereiche der Logistik. 64 Prozent der Unternehmen fehlen Zusteller, 55 Prozent Fahrer und 53 Prozent Disponenten. Engpässe bestehen zudem bei IT-Fachkräften mit 49 Prozent, Lagerfachkräften mit 48 Prozent und Verwaltungsfachkräften mit 45 Prozent. Nur 4 Prozent melden keinen Fachkräftemangel.

Durch die Digitalisierung dürfte sich der Personalbedarf bis 2035 verschieben. Bei IT-Fachkräften erwarten 47 Prozent einen steigenden und 13 Prozent einen sinkenden Bedarf. Bei Fahrern sowie Lager- und Vertriebsfachkräften rechnen dagegen mehr Unternehmen mit einem Rückgang. Rückert betonte, mit digitalen Technologien ließen sich knappe personelle Ressourcen gezielter einsetzen. Entscheidend sei die Qualifizierung der Beschäftigten.

KI erreicht die Mehrheit der Unternehmen

Cloud Computing ist mit einem Anteil von 61 Prozent die am häufigsten eingesetzte digitale Technologie. IoT- und Sensortechnologien nutzen 54 Prozent, KI 51 Prozent und Warehouse-Management-Systeme 47 Prozent. Digitale Marktplätze kommen bei 46 Prozent und Big Data sowie Analytics bei 39 Prozent zum Einsatz. Digitale Zwillinge erreichen 23 Prozent, Robotik und autonome Transportsysteme 17 Prozent, intelligente Regale 15 Prozent und Drohnen 8 Prozent.

Der Anteil der Unternehmen mit KI-Praxiseinsatz ist seit 2022 von 22 auf 51 Prozent gestiegen. Weitere 22 Prozent planen den Einsatz, 14 Prozent diskutieren darüber. Damit beschäftigt KI insgesamt 87 Prozent der Logistikunternehmen. 57 Prozent erwarten kostengünstigere interne Prozesse, 55 Prozent sehen KI als Mittel gegen den Fachkräftemangel. Zugleich glauben 58 Prozent, dass KI nicht die Leistung einer ausgebildeten Logistikfachkraft erreichen werde. 30 Prozent halten die Technologie für einen vorübergehenden Trend.

Schulungen sollen Kompetenzlücken schließen

54 Prozent der Unternehmen fehlt nach eigenen Angaben die Expertise, um KI in Logistikprozesse einzubinden. 73 Prozent bieten bereits KI-Schulungen an. Allerdings beziehen nur 8 Prozent alle Beschäftigten ein. 31 Prozent schulen einen Großteil und 34 Prozent ausgewählte Beschäftigte. Gut ein Viertel bietet bislang keine KI-Schulungen an.

Nach Einschätzung von Rückert werden KI-Anwendungen künftig unter anderem die Routen- und Bedarfsplanung sowie die Steuerung von Robotern und autonomen Fahrzeugen unterstützen. Der Kauf von Lizenzen reiche jedoch nicht aus. Beschäftigte müssten die Anwendungen verstehen und sicher einsetzen können.

Robotik trifft auf wirtschaftliche Hürden

Robotik und autonome Transportsysteme gelten ebenfalls als mögliche Antworten auf Effizienz- und Personalprobleme. 68 Prozent erwarten effizientere Logistikprozesse, 66 Prozent eine höhere Arbeitssicherheit. 55 Prozent gehen davon aus, dass sich der Fachkräftemangel ohne Roboter nicht bewältigen lasse.

Dem stehen wirtschaftliche und organisatorische Hürden gegenüber. Jeweils 51 Prozent erklären, der Robotereinsatz rechne sich im eigenen Unternehmen nicht oder stoße bei Beschäftigten auf Skepsis. Rückert zufolge müssen Roboter Beschäftigte spürbar entlasten, sich in komplexe Prozesse integrieren lassen und wirtschaftlich arbeiten.

Budgets steigen weiter

Im Jahr 2026 investieren 40 Prozent der Logistikunternehmen 5 bis unter 10 Prozent ihres Jahresumsatzes in die Digitalisierung. Weitere 21 Prozent wenden mindestens 10 Prozent auf. Nur 3 Prozent verfügen über kein Digitalisierungsbudget.

Für 2027 planen 42 Prozent höhere Investitionen. Davon wollen 15 Prozent ihre Ausgaben stark und 27 Prozent eher erhöhen. 45 Prozent beabsichtigen, das bisherige Niveau zu halten, während 11 Prozent ihre Digitalinvestitionen senken wollen. Damit zeigt sich laut Rückert die strategische Bedeutung der Digitalisierung auch in den Budgets.

Branche erwartet automatisierte Logistik

Für das Jahr 2036 erwarten 69 Prozent, dass KI große Teile der Lieferketten in Echtzeit steuern wird. 68 Prozent rechnen mit vollständig transparenten und digital nachvollziehbaren Lieferketten, die auch Endkunden einsehen können. 59 Prozent gehen davon aus, dass in Lagerhallen überwiegend humanoide Roboter arbeiten werden.

Auch auf der letzten Meile erwartet die Branche Veränderungen. 59 Prozent rechnen mit Drohnenlieferungen bis zum Endkunden, 56 Prozent mit situationsabhängigen Zustellungen an den jeweiligen Aufenthaltsort. 52 Prozent erwarten einen breiten Einsatz autonomer Lieferroboter. 45 Prozent halten die Warenübergabe durch humanoide Roboter im Jahr 2036 für weit verbreitet.

Text/Grafiken: Bitkom, Foto: alphaspirit – stock.adobe.com

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